2013 - 100. Geburtstag der Künstlerin Lioba Munz OSB

Sr. Lioba Munz OSB (1913-1997)

Ihre Werke gingen rund um die Welt

Bild vergrößern Vor 100 Jahren wurde Lioba Munz in Bingen geboren/ Arbeiten der Künstlerin sollen in Fulda erhalten bleiben:

Auch wenn Schwester Lioba Munz (1913-1997) bereits seit 16 Jahren tot ist. Vergessen ist die großartige Künstlerin und benediktinische Ordensfrau nicht. „In unserem Klosterladen, den wir seit 1999 betreiben, fragen immer wieder Interessierte nach, wo Werke von ihr anzuschauen sind.“ So die regelmäßige Erfahrung von Äbtissin Benedikta Kranz und ihren Mitschwestern. 2013, das Jahr, in dem sich der Geburtstag von Schwester Lioba zum 100. Mal jährt, stellt sich deshalb die berechtige Frage, in welcher Form das noch vorhandene Werk der talentierten Zeichnerin, Goldschmiedin und Emailkünstlerin der Öffentlichkeit zumindest ausschnittweise zugänglich gemacht werden könnte.

Großer Geist mit Außenwirkung

Als „nicht nur legitim, sondern naheliegend angesichts der Tatsache, dass Lioba Munz eine Künstlerin mit bedeutendem Geist und großer Außenwirkung war“, bezeichnete Fuldas Kulturdezernent bei einem Besuch im ehemaligen Atelier der Ordensfrau die Überlegungen der Klosterleitung. Möller sicherte zu, prüfen zu lassen, inwieweit die Stadt eventuell die Abtei beispielsweise mit Ausstellungsmöglichkeiten im Vonderau Museum unterstützen könnte. Für Äbtissin Kranz ist eines auf alle Fälle schon jetzt klar: „Ich möchte nicht, dass das noch bei uns vorhandene Werk von Schwester Lioba zerstreut wird. Sondern es soll gepflegt und zusammen gehalten werden und hier in Fulda bleiben.“

Fluidum der Künstlerin

Das Atelier von Lioba Munz befand sich im historischen Fachwerkbau der Abtei innerhalb des Klosterbezirks, aber außerhalb der Mauern. Noch immer ist das Fluidum der Künstlerin spürbar und in zahlreichen ihren Arbeiten beziehungsweise inspirierenden Sammlerstücken sichtbar. Mit 21 Jahren war die junge Frau aus Bingen nach Fulda zu den Benediktinerinnen gekommen und in den Konvent der Abtei St. Maria eingetreten. Ihre ersten „künstlerischen Gehversuche“ unternahm sie mit dem Bemalen vorgefertigter Keramik. Vor allem Gebrauchskeramik, was dem Kloster als lohnender Erwerbszweig erschien. Äbtissin Maura Lilia erkannte die Fähigkeiten ihrer Mitschwestern und unterstützte Lioba Munz in ihrer künstlerischen Weiterentwicklung. Kunstlehrer Rudolf Kubesch brachte sie zur Malerei. Später besuchte die Benediktinerin die Kölner Kunstschule und vertiefte ihre Fähigkeiten im Bereich der Goldschmiedekunst unter Professorin Elisabeth Treskow, einer zum katholischen Glauben konvertierten Künstlerin, die in der Rheinmetropole unter anderem den Schrein der Heiligen Drei Könige restaurierte. Treskow war es übrigens auch, die die Meisterschale des DFB entworfen hatte.

Reise-Inspirationen

Das künstlerische Können von Lioba Munz sprach sich schnell herum. „Zum Schluss hat sie ihre Arbeiten in die ganze Welt geliefert, von Haifa bis Tokio.“ Während ihrer Reisen habe sie auch sehr viele schöne Fotos gemacht, „weil sie nach Inspirationen suchte“, berichtet die Äbtissin. Von diesen Reisen stammte auch manches Kunstobjekt, dass die umtriebige Ordensfrau mit nach Fulda brachte. In ihrem Atelier stehen noch heute antike Schalen mit farbigem Ornament, Portraitbüsten, ja sogar Schnitzarbeiten aus Afrika, die die Künstlerin in ihrer Ausdrucksstärke beeindruckt und beeinflusst haben müssen. Selbst Steine hat Lioba Munz gesammelt. Wunderschön weiße, durchsichtige oder violettfarbene Bergkristalle schmücken häufiger ihre kostbaren Arbeiten wie Kreuze oder Altarbilder. Die Fülle ihres Oeuvres erfasst zurzeit Franziska Ihle-Wirth in einem umfassenden Werkverzeichnis. Vieles ist noch in der Abtei vorhanden wie ein Bischofsstab oder die „Heimsuchung“ mit einer Darstellung Elisabeths und Marias. „Diese Arbeit ist hier in der Abtei entstanden. Sie gibt es sonst nirgendwo“, betont die Äbtissin, die aber auch deutlich macht, dass nicht unbedingt die Email- und Goldschmiedearbeit die wahre Leidenschaft von Lioba Munz gewesen sei. Ihre Begabung habe vielmehr im Zeichnen gelegen. „Kohlezeichnungen von dem, was sie im Innersten bewegt hat, das war ihre Leidenschaft“, erzählt sie begeistert und verweist auf die Darstellung Gottes, den Lioba Munz in Trauer gemalt hat – ein „ziemlich ausdrucksstarkes Bild“, wie die Äbtissin meint.

Fulda, 10. April 2013

(copyright Stadt Fulda – mit Erlaubnis von Michael Schwab, Pressesprecher des Magistrats der Stadt Fulda)



Aktuelles

Neuigkeiten aus der Abtei Fulda…


Aktuelle Tischlesung

Nach altem klösterlichen Brauch hören wir während der Mahlzeiten einer Tischleserin zu, die aus einem aktuellen Buch vorliest – zur Zeit:

Neil McGregor: Leben mit den Göttern (mittags)

Melanie Wolfers: Freunde fürs Leben. Von der Kunst, mit sich selbst befreundet zu sein (abends)

Aktuelle Termine

Sa 25. Mai: Klostermarkt
Di 28. Mai: Kontemplationsabend
Sa 8. Jun: Gartentipps
Di 11. Jun: Kontemplationsabend

Mehr…

Nach oben